Da präsentiert mir jemand auf einem 10-Punkte-Papier, was er sich ausgedacht hat, und ich soll das durchlesen, schlucken und ausführen. Kein Wunder, dass das schiefgeht und doch passiert es genauso tagtäglich in vielen Unternehmen und Organisationen.

Das beschriebe Problem ist alt, ja geradezu biblisch! Im Alten Testament kehrt Moses nach 40 Tagen „Klausur“ mit den Zehn Geboten, einer neuen monotheistischen Gesellschaftsstrategie, zurück zum Volk Israel. Doch die sind damit schlicht überfordert. Warum? Moses hatte das Volk nicht in den Prozess der Strategiebildung einbezogen! Das Volk verstand den grundlegenden Gedanken dieses neuen Konzeptes nicht. Seine zukunftsweisenden Ideen verhallten quasi ungehört. Statt einer Auseinandersetzung mit dem Inhalt der Zehn Gebote betete das Volk die Steintafeln an, als wohnte Gott persönlich in ihnen.

Aus Frust über den gescheiterten Prozess zerschlägt Moses die Tafeln.

Wer Veränderung will, muss darauf achten, dass sie von den Beteiligten mitgetragen wird.

Wie heißt es heute so schön: Ein Stakeholder-Management, also ein Einbeziehen aller beteiligten Parteien hätte vermutlich mehr Erfolg gehabt. Zumindest wären die Ältesten nicht verprügelt und die Jungfrauen nicht geopfert worden.

Bild: Renata Sedmakova