Das von zwei Regierungsstäben vorbereitete Zusammentreffen der Regierungschefs, das akribisch geplante Protokoll, wird plötzlich zur sichtbaren Begegnung in der Wirklichkeit. Da begegnen sich zwei Menschen. Der charmante, fast dandyhafte Obama trifft auf den Aristokraten Brown.

Gewohnt selbstsicher reicht Obama auch dem Polizisten die Hand. Die Geste steht in keinem Protokoll, er macht es einfach. Es ist sein persönlicher Brückenschlag zu den Menschen jenseits der großen Politik.

Fast hätte sich Gordon Brown von Obamas Charisma mitreißen lassen, doch er besinnt sich. Das politische Großbritannien funktioniert nicht nach dem American Dream! Es ist eine traditionsbewusste Aristokratie, also schüttelt Gordon Brown nicht die Hand.

Authentizität wird heute oft als ein wesentlicher Faktor der Glaubwürdigkeit von Führungskräften gesehen. Doch was sie ausmacht, ist schwer zu fassen. Vielleicht lässt sie sich mit der persönlichen Haltung eines Menschen beschreiben, seinem Standpunkt, der Stringenz seiner Handlungen, seiner Aufrichtigkeit. Man sieht sie in den Ritualen und Verhaltensmustern, die unsere Selbst- und Weltsicht spiegeln.

Brown als Premier ist das personifizierte Großbritannien. Wäre er seinem ersten Impuls gefolgt, hätten manche Fragen im Raum gestanden.  Rennt er den USA hinterher? Kann er als Führungskraft überhaupt Obamas Charisma widerstehen? Es wäre nur ein Handschlag gewesen, aber Gordon Brown ist sich selbst treu geblieben.