Könnte ein Konflikt eskalieren? Könnte jemand verletzt werden? Es gibt Dinge, über die hüllt sich ein Mantel des Schweigens. Haben Sie auch so einen Mantel? Ist er Ihr täglicher Begleiter? Wo hängt er in Ihrem Kleiderschrank? Gibt es im Büro eine Garderobe, an der sich jeder Mitarbeiter einen mitnimmt? Der Mantel des Schweigens ist ein Phänomen, das uns nicht nur in beruflichen Kontexten begleitet. Es ist eng verbunden mit unserer Sprache und auch mit unserem Alltag.

In seinen Beobachtungen zur Kommunikation in Unternehmenskontexten beschreibt der Soziologe Dirk Bäcker: „Es mangelt nur allzu oft an einer Sprache, die offen genug ist, um Probleme diagnostizieren und Konsequenzen ziehen zu können.“ Doch woran liegt das? Ist es wirklich ein Mangel? Ist es ein „zu wenig“ an Sprache?

Im Bild des Mantels sehe ich diesen Mangel nicht. In meinen Augen ist es eher ein „zu viel“. Der Stoff, aus dem der Mantel gemacht ist, ist zu schwer! Er setzt sich zusammen aus tausenden von Begriffen, aus Bedeutungswolken und Projektionen, die jeder beisteuert. Diese „Wortfäden“ werden auf die Goldwaage gelegt und anschließend filigran verwoben. Es entsteht ein schwerer Stoff aus Tabus und vorauseilender Rücksichtnahme. Die Angst, peinlich berührt zu werden von diesem Stoff, wiegt schwer!

Dabei könnte er ganz leicht sein! Einfach mal die Goldwaage im Schrank lassen und frei heraus sprechen! Frei nach dem Motto: Es ist leichter, sich einmal mehr zu entschuldigen, als unentwegt alles totzuschweigen.

Bild: Lipowski Milan